Es gibt einen Satz, der VB6-Betreibern Ruhe gibt: „Microsoft unterstützt VB6 noch bis 2031.“ Er kursiert in Foren und wird gern als Argument benutzt, nichts zu unternehmen. Das Tückische daran: Er ist nicht falsch – aber er meint etwas viel Kleineres, als die meisten verstehen. Wer sich darauf verlässt, verlässt sich auf eine Zusage, die genau das nicht abdeckt, was den Alltag mit VB6 schwer macht.
Schauen wir genau hin, was Microsoft zusagt und was nicht.
Was Microsoft tatsächlich unterstützt
Microsoft hält die VB6-Runtime in Windows 11 am Leben. Die Kernlaufzeitdateien werden für die Lebensdauer der jeweiligen Windows-Version mitgeliefert und unterstützt. Das ist die Grundlage des „bis 2031″-Satzes.
Diese Zusage hat aber enge Grenzen, die der Werbespruch verschweigt:
- Nur die Kern-Runtime. Unterstützt werden die zentralen Laufzeitdateien – im Wesentlichen
msvbvm60.dllund ein definierter Satz an Dateien. Und auch das nur für schwerwiegende Regressionen und kritische Sicherheitsprobleme, nicht für Pflege oder Weiterentwicklung. - Die IDE ist seit 2008 tot. Die Entwicklungsumgebung von VB6 wird seit dem 8. April 2008 nicht mehr unterstützt. Es gibt offiziell keinen unterstützten Weg, VB6-Anwendungen zu erstellen oder zu warten.
- Drittanbieter-Controls: kein Support. Die OCX- und ActiveX-Steuerelemente, auf denen die meisten realen VB6-Anwendungen aufbauen, fallen gar nicht unter Microsofts Zusage.
- 32-bit, mit Einschränkungen. Die Runtime ist 32-bittig und läuft auf modernem Windows nur in der WOW64-Emulation. Server Core wird nicht unterstützt.
Microsoft selbst zieht daraus eine klare Empfehlung: Bestehende VB6-Anwendungen durch moderne Technik ersetzen.
Warum „die Runtime läuft“ nicht „die Anwendung läuft“ heißt
Hier liegt das eigentliche Missverständnis. Dass die Kern-Runtime vorhanden ist, garantiert nicht, dass Ihre Anwendung funktioniert. Reale VB6-Programme hängen an einer Schicht, die Microsoft nicht abdeckt: registrierte Drittanbieter-Controls, ODBC-Konfigurationen, COM-Einträge, alte Bibliotheken.
Auf einem Rechner, der über Jahre von Windows 10 mitgewachsen ist, hat sich all das angesammelt und funktioniert irgendwie weiter. Auf einer frischen Windows-11-Installation fehlt es. Genau das ist der Moment, in dem VB6-Anwendungen still kaputtgehen: nicht mit einem Knall, sondern mit einer Fehlermeldung, die niemand erwartet hat, weil „Microsoft unterstützt VB6 doch noch“.
Das Problem, das gar nicht an Microsoft hängt
Selbst wenn die Runtime ewig liefe, bliebe das größere Problem: Niemand kann VB6 noch warten. Die IDE ist offiziell tot, VB6-Entwickler gehen in Rente, und Nachwuchs gibt es nicht. Häufig ist sogar der Quellcode verschollen, und die Person, die das System gebaut hat, längst aus dem Unternehmen.
Eine Anwendung, die man nicht mehr ändern kann, ist auch dann ein Risiko, wenn sie technisch noch startet. Jede neue Anforderung, jede Gesetzesänderung, jede Anbindung an ein neues System wird zur Sackgasse.
Was das praktisch heißt
Akute Panik ist unangebracht – die Runtime verschwindet nicht morgen. Aber die Ruhe, die der „bis 2031″-Satz verspricht, ist trügerisch. Die richtige Haltung liegt dazwischen: planvoll handeln, solange noch jemand da ist, der das System erklären kann, und solange der Quellcode existiert. Dieses Wissen ist für eine saubere Migration Gold wert – und es ist genau das, was als Erstes verloren geht.
Der Weg von VB6 weg
Wir überführen VB6-Anwendungen nach C#/.NET, wenn der Desktop bleiben soll, oder ins Web, wenn der Schritt ohnehin ansteht. Die Verwandtschaft von VB6 und C# macht einen großen Teil der Übertragung berechenbar, und die typische Access-Datenbank dahinter holen wir auf ein sauberes, modernes Datenmodell. Selbst bei verschollenem Quellcode lässt sich über eine strukturierte Analyse des kompilierten Programms ein Weg finden.
Wie das abläuft, steht auf der Seite zur VB6-Migration und im Detail unter VB6 zu C# migrieren.
Der erste Schritt
Im Code-Assessment prüfen wir, woran Ihre VB6-Anwendung wirklich hängt – Controls, Datenzugriff, Quellcode-Lage – und wie dringend es für Ihr System ist.
Der erste Schritt: Automatisiertes Code-Assessment →
Häufige Fragen
Microsoft unterstützt VB6 doch bis 2031 – warum sollten wir handeln? Die Zusage gilt nur der Kern-Runtime, nicht der IDE, nicht den Drittanbieter-Controls und nicht der Wartbarkeit. Genau diese Lücken sind im Alltag das Problem.
Unsere VB6-App läuft auf Windows 11 einwandfrei. Reicht das nicht? Heute vielleicht. Auf der nächsten frischen Installation oder nach einem Update können fehlende Controls oder COM-Einträge sie still lahmlegen.
Was, wenn wir den Quellcode nicht mehr haben? Das ist bei VB6 häufig. Über eine strukturierte Analyse des kompilierten Programms lässt sich der Funktionsumfang rekonstruieren und ein Migrationsweg planen.
Quellen
- Microsoft Learn – Support Statement for Visual Basic 6.0: https://learn.microsoft.com/en-us/previous-versions/visualstudio/visual-basic-6/visual-basic-6-support-policy
- Microsoft Learn – Lifecycle FAQ, Developer Tools: https://learn.microsoft.com/en-us/lifecycle/faq/developer-tools

